Voll hinterfragt
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- Jochen
- Voll gedacht!
Sokrates wurde zum Tode verurteilt. Nicht, weil er etwa die falschen Antworten hatte. Sondern weil er fragte.
Das sollte uns zu denken geben. Nicht als historische Anekdote, sondern als Mechanismus, der nie verschwunden ist.
Die Kirche hat das Mittelalter nicht durch Verbote verdunkelt. Sie hat es durch etwas Subtileres getan: Sie hat Fragen zur Sünde erklärt. Wer zweifelte, zweifelte an Gott. Wer fragte, gefährdete die Ordnung. Das Wissen der Antike – Hochkulturen, die den Kosmos vermessen, den Körper seziert, die Demokratie erfunden hatten – verschwand nicht, weil es niemanden interessierte. Es verschwand, weil Neugier plötzlich einen Preis hatte.
Voll geschert
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- Jochen
- Voll gedacht!
Wenn nur ein Dutzend Menschen auf diesem Planeten etwas wirklich verstehen – ist es dann bewiesen? Ich weiß ja nicht.
Andrew Wiles würde mir da definitiv widersprechen. Der hat schließlich 1995 Fermats letzten Satz bewiesen. Auf 100 Seiten. Nur versteht seine Beweisführung halt fast keiner. Ich gehöre definitiv nicht zu dem dreckigen Dutzend, das Wiles’ Monumentalwerk nur annähernd kapiert hat. Und es bleibt zu bezweifeln, dass Fermat selbst diese Beweisführung hätte führen können. Er hatte ja noch nicht mal WLAN.
Voll nachhaltig
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- Jochen
- Voll gedacht!
Jede Niederlage, jeder Rückschlag, jede Fehlinvestition wird fortan als Klimafortschritt verbucht: Verarmung heißt Tugend, leere Regale gelten als Ressourcenschonung, Nichtkauf wird mit Bonusmeilen belohnt. Schlechte Qualität ist Umweltschutz. In biedermeierlicher Manier richten wir uns im Niedergang ein, applaudieren den Brandstiftern und weigern uns, hinzusehen, obwohl das Desaster vor der Haustür stattfindet; wir messen Erfolg in Versagen, nicht in Fortschritt.
Eine Wahrheit, eine Wissenschaft, eine Meinung
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- Jochen
- Vorbeigedacht!
Über die Rückkehr des Absoluten
Wir halten uns für aufgeklärt, für vernünftig, für modern. Wir glauben, wir hätten Gott hinter uns gelassen, die Kirche entmachtet, den Weihrauch endlich aus den Köpfen geblasen. Doch der Mensch ist ein gläubiges Wesen geblieben.
Vielleicht glaubt er nicht mehr an den christlichen Gott, zumindest nicht mehr in alter Form, aber er glaubt weiterhin. Er glaubt an die wahren Medien, an die einzige Wissenschaft, an Moral, an das Klima, an Geld, an die Experten, an Faktenchecks und an die tägliche Verlautbarung der einzig zulässigen Wirklichkeit.
Voll unsichtbar
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- Jochen
- Voll gedacht!
Der Einzelne verfolgt seinen Eigennutz, und die unsichtbare Hand des Marktes sorgt dafür, dass dabei Gemeinwohl entsteht. So weit die Idee von Adam Smith. Eine schöne Vorstellung. Sie funktioniert – aber nur, solange alle Beteiligten noch etwas in der Hand halten.
Voll stillgestanden
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- Jochen
- Voll gedacht!
Karl Marx meinte einmal:
„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“
Ein Satz, der heute wirkt wie ein Systemhinweis für ein längst eingestelltes Betriebssystem: gut gemeint, aber ohne jede Relevanz für die aktuelle Version der Realität.
Voll diskutiert
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- Jochen
- Voll gedacht!
Wir – also wir als Gesellschaft per se – wissen immer weniger, reden dafür aber immer lauter und tanzen empört im Kreis, sobald jemand es wagt, mit etwas so Anstößigem wie Wissen zu argumentieren. Die Empörung ist längst zur Ersatzreligion geworden: Jeder hat sein eigenes kleines Dogma, das er in seiner Blase mit den immergleichen Ideologien füttert, zur eigenen unantastbaren Weltanschauung aufbläst und gegen jede Form von Realität verteidigt. Nicht-Wissen ist Tugend, Empörung ist Ersatzintelligenz. Fakten sind nur noch lautes Hintergrundrauschen in der großen Kakophonie des Selbstgefühls.
Voll distinktiv
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- Jochen
- Voll gedacht!
Bildungseliten studieren längst nicht mehr, um etwas zu verstehen. Verstehen ist ja ein energetisch suboptimaler kognitiver Prozess und aus kapitalistischer Sicht eher störend. Stattdessen wird epistemisches Distinktionsmaterial zunehmend performativ externalisiert: Wissen als semiotisch aufgeladenes Statusartefakt, das weniger der Erkenntnis dient als der sozialen Selbstverortung.
Entfremdung als Beschäftigungstherapie
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- Jochen
- Vorbeigedacht!
Alles ist Ablenkung
Gott ist Ablenkung. Die große Erzählung vom Sinn, vom Jenseits, vom „da droben versteht jemand das alles“. Eine jahrtausendealte Konstruktion, die uns davon abhält, hinzuschauen: Wir sind da, und dann sind wir weg.
Die Ideenwelt ist Ablenkung. Platon, Kant, Hegel, all die anderen gedanklichen Welten – herrlich, aber letztlich nur weitere Räume, in denen wir uns verlaufen dürfen, statt zu erkennen. Alles fließt in die Zerstreuung.
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