DurchGedacht

Deniz Yücel: „Ich habe vor allem die Verhältnismäßigkeit kritisiert […] das Verbot von Medien. Ich finde es wirklich befremdlich, wie leichtfertig offenbar auch in der westlichen Welt Grundrechte außer Kraft gesetzt werden können. Ich glaube nämlich, dass es zu der Stärke einer liberalen Gesellschaft gehört, auch extremistische Medien, auch Staatspropaganda, auch - ich muss das so deutlich sagen - Scheißdreck aller Art aushalten zu können. Wir müssen die Bürgerinnen und Bürger nicht davor schützen, nicht vor Telegram schützen. Ein Staat, der als Gouvernante auftritt und seine Bürgerinnen und Bürger vor bösen Einflüssen beschützen möchte, das ist eine Eigenschaft autokratischer Regime, die für liberale Demokratien eigentlich nicht passt. Denn die Pressefreiheit ist - wie alle Grundrechte - unteilbar. Sie gilt entweder oder sie gilt nicht.
[…]

… muss ich George Orwell zitieren. Ich dachte, wir hätten das - zumindest auf unserem Kontinent - hinter uns gelassen. Aber ich habe mich geirrt.
„All der Krieg, die Propaganda, all das Geschrei, die Lügen und der Hass kommen immer nur von Leuten, die nicht kämpfen müssen.“

… noch zu sagen, wenn alles bereits gesagt wurde und doch keiner zuhört?

„Durch viele Zitate vermehrt man seinen Anspruch auf Gelehrsamkeit, vermindert den auf Originalität, und was ist Gelehrsamkeit gegen Originalität? Man soll Zitate also nur gebrauchen, wo man fremder Autorität wirklich bedarf.“

„Dank Gottes Gnade besitzen wir in diesem Land drei unglaublich wertvolle Dinge: die Freiheit des Gewissens, die Freiheit der Rede und die Klugheit, keine der beiden jemals in Anspruch zu nehmen.“

„Wer die Wahrheit hören will, den sollte man vorher fragen, ob er sie ertragen kann.“

"Der Mensch, der bereit ist, seine Freiheit aufzugeben, um Sicherheit zu gewinnen, wird beides verlieren."

„Mir ist die gefährliche Freiheit lieber als die ruhige Knechtschaft.“

“Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat.
Das ist die Lehre, das ist das Fazit dessen, was uns 1933 widerfuhr. Das ist der Schluss, den wir aus unseren Erfahrungen ziehen müssen, und es ist der Schluss meiner Rede. Drohende Diktaturen lassen sich nur bekämpfen, ehe sie die Macht übernommen haben.” 

Erik Kästner über das Verbrennen von Büchern

 

„Wer jung ist, kümmert sich heute ausschließlich um das Klima. Die Welt muss gerettet werden! Als ob irgendjemand apertis verbis das Gegenteil propagieren würde: Los, lasst uns den Planeten unbewohnbar machen, lasst ihn uns komplett zerstören! Mir erscheint, dass viele junge Menschen heute nicht mit Konflikten umgehen können. Wenn sie demonstrieren, dann tun sie es, um Dinge zu unterstützen, die sogar meine Katze unterschreiben würde. Sie sind den Konsens gewohnt, das schnelle Lob, den billigen Erfolg. Ihre Wirklichkeit ist von Handys und Likes geprägt.“

Ausschnitt aus dem Gastbeitrag „Und keiner steht auf“ von Mario Fortunato in der Süddeutschen Zeitung vom 9. November 2019.
In dem Beitrag geht es eigentlich um etwas anderes. Ich fand diesen Absatz jedoch erwähnenswert.

 

„Gibt eine Regierung einen schwerwiegenden Entscheid als wissenschaftlichen Imperativ aus, zwingt sie alle, die nicht als Feinde der Wissenschaft dastehen wollen, zu blinder Gefolgschaft und lässt politischen Widerstand nur noch in Form einer populistischen Fundamentalopposition zu."

Prof. Dr. Caspar Hirschi
Historiker, Universität St. Gallen