Halloween. Ja, lasst uns Halloween feiern. Lasst die Kinder auf die Straßen, lasst sie wie kleine Landstreicher an fremden Türen klingeln und Gaben einfordern. Süßes, sonst Saures. Lasst uns vergessen, was an diesem Tag wirklich geschah.
Wir gewinnen eine Stunde durch die Zeitumstellung –
und verschwenden einen Tag damit, Uhren nachzustellen.
Ich musste pinkeln. Dringend. Das Haus der Kunst war nah.
Dort gab es dafür bis vor Kurzem nicht nur eine bewährte Vorrichtung, sondern auch eine ziemlich simple: zwei Türen, Männer links, Frauen rechts, und hinter der linken Tür eine Reihe Pissoirs, an denen ein Mann sich hinstellt, seine Sache erledigt und wieder verschwindet. Schnell, wortlos, funktional — ein Pissoir ist kein Denkmal.
Die künstliche Intelligenz steckte in den Kinderschuhen. So ging die Erzählung. Sie sabberte, halluzinierte, musste ständig gefüttert werden. Wir sahen es ihr nach, mit jener milden Herablassung für Kleinkinder: Sie konnte ja noch nicht. Sie würde schon noch. Also behandelten wir sie wie ein Kind.
Nur: Wer sind die Eltern?
Früher wollte das Internet nur Cookies. Okay, war ich doch bereit, meine Kekse zu teilen. Ein kleiner Tribut für eine Reise durch die Welt.
Heute jedoch will das All-Netz mehr. Es stellt mir Existenzfragen – genauer gesagt, philosophische Grundsatzfragen. Allen voran:
„Digitale Dateien kosten nichts.“
Weil man sie nicht sehen kann.
Und dennoch glauben Menschen an Gott?
Weil man ihn nicht sehen kann.
Wir reden kaum noch miteinander –
wir tauschen Content
statt eigene Gedanken.
Mit der Zeit macht uns das stumpf.
Erst sollte ich katholisch sein. Dann liberal.
Anschließend tolerant. Jetzt woke!
Wann darf ich endlich ICH sein?
Einfach nur Mensch?
Leben? Ja, wann können wir bedingungslos leben?
Zusammen? Nicht gegeneinander.
Nicht hetzend?
Obwohl … die Phase der Toleranz in den 80er und 90er Jahren
war wohl die am wenigsten scheinheilige, die am wenigsten absolute.
Die toleranteste eben!
