Verdacht?

Bild von Masum Ali auf Pixabay

Egal welches Medium ich zur Zeit für Neuigkeiten heranziehe, überall das gleiche Bild. Graphen, Statistiken, Hochrechnungen, Einschätzungen und Landkarten mit tiefroten Flecken von Neuinfektionen durch das Corona-Virus. Auch im Radio das immer gleiche. Und das bereits morgens, bevor ich in den Spiegel geschaut habe. Warum berichtet die Freie Presse nicht mehrmals täglich über den Fortschritt bei der Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten? Wenn ein Virus die Welt verunsichert, sollten doch genau solche Nachrichten in den Focus gerückt werden. Auf jeden Fall würde ich als Süddeutscher genau das hören wollen. Sie etwa nicht?

Neuinfektionen sind wichtig für Auswertungen, um angemessen auf Gefahren hinweisen zu können. Doch muss ich nicht stündlich über das Zahlenwerk informiert werden. Mich interessiert viel mehr, wann können wir den Virus endlich eindämmen? Gibt es einen groben Zeitplan? Wie viele Wissenschaftler arbeiten weltweit an der Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten? Könnte der Impfstoff aus Russland was taugen? Gibt es Medikamente, die bereits wirken oder zumindest so verändert werden, dass sie wirken könnten? (Interview mit Virologe Streeck auf BR5; ab Minute 03:20). Wenn es um das Wohlergehen der ganzen Weltbevölkerung geht, würde ich darauf gerne die eine oder andere Antworten bekommen.

Bild: KitzD66 von pixabay   (Bald soll es so etwas angeblich nicht mehr geben. Frau Merkel versprach den Kohle-Ausstieg für 2038.)

Vor nicht allzu langer Zeit, es muss in der Epoche des Faxgeräts (Anm. d. Red.: Telefon mit Papier) gewesen sein, hatte Frau Merkel versprochen, die Emissionen in Deutschland bis 2020 um mindestens 40 Prozent gesenkt haben zu wollen. Heute im Jahr 2019, stellen Experten fest, das wird wohl nicht ganz klappen. Und das, obwohl der Blaue Engel - Verzeihung, die Umwelt-Kanzlerin so große Hoffnungen in die Vernunft der Industrie gesetzt hatte. Freiwillig sollten die Großkonzerne den Vorgaben der Regierung folgen; mit Weitsicht, Moral und Eigenverantwortung in eine saubere Zukunft, ohne von lästigen Gesetzen gegängelt zu werden. Vorschriften für Konzerne gibt es schließlich nur in Diktaturen. Im Kapitalismus reguliert sich der Markt immer noch am besten selbst, solange er grenzenlos frei sein darf. Das weiß doch jedes (zur Arbeit gezwungene) Kind. Abgesehen davon würden zu viel Regularien das Produzieren von Waren unnötig kompliziert machen und am Ende leidet wieder der Konsument, weil Firmen die Kosten an ihn weitergeben müssten.


Geschäftsbesprechungen im antiken Rom - diese Klosettanlage ist jedoch in Ephesos

Die Arbeitsteilung ist in einer hoch technisierten Gesellschaft nicht wegzudenken. Keiner würde von einem Gärtner am Knie operiert werden wollen, nur weil er scharfe Schneidegeräte besitzt. Deswegen sollte Satire von Satirikern, Politik von Politikern und Nachrichten von Medienschaffenden gemacht werden. Doch diese Zeiten sind vorüber! Kabarettisten (z.B. die Anstalt auf ZDF oder Volker Pispers) übernehmen die unabhängige Berichterstattung und Politiker versuchen sich in Satire, wenn auch nicht alle ganz so offensichtlich wie die Mitglieder der Partei „Die Partei“.

Gott sei Dank gibt es noch andere Menschen neben dem Chef des Magazins Focus, die den Job des Fakten-Schaffens Ernst nehmen. So ist es Verkehrsminister Andreas Scheuer vor ein paar Tagen tatsächlich gelungen, die „[...] Sachlichkeit und Fakten in die Diesel-Debatte […]“ zurückbringen. 107 Lungenspezialisten haben nämlich bei einem neu erarbeiteten Faktencheck herausgefunden, die bisher geltenden Stickoxid-Obergrenzwerte waren in Großstädten viel zu niedrig angesetzt. Schließlich ist von Abgasen noch keiner gestorben und der Umwelt geht es hierzulande auch noch ganz gut. Endlich! Die Fakten sind zurückgekehrt.

Aber … vielleicht waren das keine Pneumologen, sondern 107 Kapitäne der Donaudampfschiffahrtselektrizitätenhauptbetriebswerkbauunterbeamtengesellschaft? Die tragen meist auch Weiß und sind ohne Donaudampfschifffahrtskapitänsmütze leicht mit Ärzten zu verwechseln. Leider wurde von staatlicher Stelle versäumt, diesen Fakt zu überprüfen. Ist aber auch egal, da sich Schiffsführer keine Sorgen um eventuelle Fahrverbote machen müssen. Die 450 kg Feinstaub, die so ein Luxuskreuzer pro Tag durch Verbrennen von umweltschädlichem Schweröl erzeugt, ist laut irgendwelchen Experten für das Klima überhaupt nicht schädlich, weil es auf den Weltmeeren in Summe viel weniger Kreuzfahrtschiffe als auf dem Festland Dieselfahrzeuge gibt. Ist klar soweit, oder? Folglich sind CO2-Obergrenzen für Vergnügungsdampfer völlig unnötig. Bei so guter Faktenlage können Bewohner von Hafenstädten doch beruhigt aufatmen.


Von mir, frei nach einer Radierung von Gustave Doré

Nur klein ist der Unterschied zwischen einem Steuer- und einem Kriegsflüchtling.
Der eine ertränkt seine Schuld in Champagner, der andere ertränkt seine Freiheit im Meer.
Der eine treibt es bunt auf seiner Yacht, der andere treibt atemlos unter der Yacht.

Es gibt aber keinen Anlass zu Sorge, denn der Ethikrat hat herausgefunden, dass die ertrunkenen Flüchtlinge gar nicht der Grund für den Anstieg des Meeresspiegels ist, sondern der Klimawandel. 
Was für eine Erleichterung! 
Es besteht kein Handlungsbedarf, denn für den Klimawandel können wir ja nun wirklich nichts.

 

Und wenn er es nicht war, war es trotzdem! Das ist bewiesen. 

Angeblich hat der Russe letzthin doch tatsächlich versucht, die Computer einer öffentlich rechtliche Rundfunkanstalt zu hacken. IT-Experten der Fernsehanstalt konnten den Angriff jedoch durch ihr beherztes und fachmännisches Eingreifen vereiteln. Nicht auszudenken, was böse russische Oligarchen mit einem Zugang zu den Rechnern der freien westlichen Medienlandschaft hätten anstellen können? [14] Die Gleichschaltung der Medien wäre nur eines von vielen Schreckensszenarios gewesen. [15]