Verdacht?


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Zum Thema: Keine Betten?

Jetzt mal ganz ehrlich? Intensivbetten gehen aus? In Deutschland, in Bayern? Trotz Katastrophenfall? Wenn Intensivbetten in Zentralafrika, Bangladesch oder irgendeinem Kriegsgebiet knapp würden, dann könnte ich solche Meldungen nachvollziehen, verstehen zwar immer noch nicht, aber nachvollziehen. Jedoch in Deutschland? Im Land der Dichter und Denker, der Ingenieure und Exportweltmeister bekommen wir es in einem Krisenfall nicht hin, ein paar leer stehende Turnhallen oder Messehallen mit Intensivbetten auszustatten? Das haben die Menschen vor über 100 Jahren, kurz nach einem Weltkrieg, während der Spanischen Grippe sogar geschafft, vollkommen ohne digitale Vernetzung. Ähhh … Verzeihung für das Neusprech, vollkommen ohne Faxgeräte.

Medien verbreiten seit fast einem Jahr Panik, dass in Deutschland Intensivbetten knapp sind und auch in Zukunft sein werden. Die immer gleiche Berichterstattung. Der Mangel an Intensivbetten, aber vor allem der Mangel an dem dafür benötigten Personal gehören in Deutschland jedoch seit vielen Jahren zum Alltag. Ich verstehe nicht, warum die Medien erst jetzt, in Zeiten von Corona so ausführlich über diese Missstände berichten. Noch weniger verstehe ich, warum unsere Gesundheitsministerien nichts dagegen unternehmen? Nur mit dem Finger drauf zu zeigen, die Missstände in Dauerschleife zu wiederholen, hilft ja nun wirklich keinem!

Ich hätte zu dem Thema noch ein paar Verständnisfragen:
Um keine Überfüllung der Krankenhäuser und somit eine Überlastung unseres Gesundheitssystems zu riskieren, wurden wir in den Lockdown geschickt. Aber warum werden dann gleichzeitig immer mehr Krankenhäuser geschlossen? Warum werden in der Hochphase der Pandemie weniger Intensivbetten zur Verfügung gestellt?* Hätte man aus 2018, als die „normale“ Grippe so heftig zuschlug, nicht lernen können? Schließlich war die Situation vor zwei Jahren in den Krankenhäusern nicht besser. Doch damals hat das die Medien kaum interessiert, genauso wenig wie Politiker. Manchmal verstehe ich mich selber nicht. Trotz besseren Wissens gehe immer wieder davon aus, unsere Gesundheitsminister (Bund und Länder) würden sich wirklich um die Gesundheit ihrer Wähler scheren.

Ich kann mich nur wiederholen: Panisch auf Missstände hinweisen, bringt halt nichts.

Übrigens, in den Notaufnahmen schaut die Situation nicht besser aus. Aber egal. Ist ja nur unsere Gesundheit. Und was interessiert die uns, wenn wir nicht krank sind?

 

* Nachtrag vom 02.02.2021
Hier gibt es zu den verschwunden Betten noch das Thesenpapier „Die Pandemie durch SARS-CoV-2/CoViD-19“ als PDF: 6000 gemeldete Intensivbetten standen im letzten halben Jahr weniger zu Verfügung. Zu lesen auf Seite 5.

 


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Zu den Themen Lockdown Light und Verschärfung der Corona-Regeln in Bayern:

Das ist uns wichtig!

Kontaktbeschränkungen werden in Bayern ab Dienstag verschärft. Für mich ist das voll okay, bevorzuge ich es doch, allein zu sein. Abgesehen davon mochte ich Light-Produkte eh nie. Ob die verschärften Regeln für eine freie Gesellschaft so ideal sind, weiß ich jedoch nicht.

Restaurants, Bars, Kneipen, Museen, Theater, Kino, Oper, Konzerte, Schulen … Um es kurz zu machen, Kultur und Bildung bleiben dicht! Aber in völlig überfüllten Bussen und U-Bahnen in die Arbeit fahren, scheint in Ordnung zu gehen.

Ein Hoch auf den Kapitalismus.

Sind die Zahlen der Infektionen mit den bisherigen „leichten“ Maßnahmen zurückgegangen? Im Gegenteil, sie sind angestiegen. Also wo konnte sich der Virus ungehindert vermehren, wenn es Bildung und Kultur im öffentlichen Raum fast nicht mehr gibt und private Treffen auf ein Minimum runtergefahren wurden? Genau! Am Arbeitsplatz.
Zumindest Menschen, die im Büro arbeiten, sollten bei einer derart gefährlichen Pandemie doch von zu Hause arbeiten müssen. So könnte die Anzahl herumirrender Arbeiter während der Rushhour reduziert werden. Weniger Menschen in den öffentlichen Verkehrsmitteln, weniger Ansteckungen, oder? Ganz zu schweigen von den vielen Zusammentreffen verschiedener Haushalte in Großraumbüros.
Aber an Teleheimarbeit ist nicht zu denken. Einerseits hatte die deutsche Industrie in den letzten 20 Jahren keine Zeit, sich auf die digitale Revolution vorzubereiten. Andererseits wird sich der freie Markt von so einer läppischen Pandemie nicht regulieren lassen, hat er doch schon ganz andere Hindernisse überstanden.

Ich arbeite in einem Großraumbüro und darf nicht ins Homeoffice. Viele meiner Freunde, die in Einzelbüros sitzen, wiederum schon. Mich stört das nicht, denn ich weiß, Corona ist ein gerechter Virus, der nur Menschen befällt, die feiern oder in den Urlaub fahren.
Ebenso ist Corona ein christlicher Virus. Er nimmt Rücksicht auf Weihnachten und so können die Regeln für die heilige Zeit ohne Bedenken gelockert werden. Das hat Corona unserem Ministerpräsidenten Söder versprochen.

Was ist eigentlich mit den Menschen, die keine Chance bekommen, von daheim zu arbeiten? Also, was ist mit Polizisten, Elektriker, Maurer, Installateure, Handwerker im Allgemeinen, Verkäufer, Taxifahrer, Busfahrer, Krankenpfleger, Altenpfleger, Ärzte, Müllmännern … (und natürlich allen *Innen!)?
Menschen, die für unsere Gesellschaft wirklich wichtig sind, müssen raus. Raus in die Pandemie. Da wäre es doch logisch, all jene, die nicht unbedingt raus müssen, daheim zu lassen. Vor allem so Bürostuhl-Pupser wie mich. 

Wo ist der hüstelnde Menschenverstand, wenn man ihn mal braucht? Ach ja, im Getriebe des Kapitalismus stecken geblieben.

 

Auf dem Weg zur Arbeit komme ich an einer Reihe von Zeitungskästen vorbei. Es ist mir über die letzten Jahre zur Gewohnheit geworden, beim Vorübergehen etwas Langsamer zu werden, um die sichtbaren Überschriften zu lesen. Wieso ich das trotz Hosentaschen-Internets mache, weiß ich nicht. Viel Neues erfahre ich auf diesem Weg nicht. Normalerweise vergesse ich nach ein paar Schritten die Headlines auch wieder. Nicht so heute Morgen.
Hinter der Glasscheibe des grünen Kastens stand: „Trump zettelt Kleinkrieg in Georgia an“. Ich blieb stehen und wollte die Zeitung rausnehmen. Mein Vorhaben scheiterte, da der Kasten mit einem Schloss gesichert war. Ich ging weiter. Hat Trump jetzt doch noch einen Krieg angefangen? Kurz vor Ende seiner Amtszeit? Gab es etwa bürgerkriegsähnliche Ausschreitungen? Ich blieb wieder stehen. Die Zeitung sollte ich mir kaufen, klingt interessant. Ich schaute in meine Geldbeutel. Kein Kleingeld. Wann hatte ich eigentlich das letzte Mal ein Printmedium in meinen Händen? Ich trappte weiter.
„Trump zettelt Kleinkrieg in Georgia an“. Die Überschrift lies mich nicht los. In der Arbeit angekommen, öffnete ich meine Standardsuchmaschine und fing an, nach der Überschrift zu suchen. Das Ergebnis kam gleich an erster Stelle.

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(Kleingedrucktes vom 08.12.2020) Hinweis in eigener Sache: Diesen Text habe ich Anfang August begonnen zu schreiben und zu diesem Zeitpunkt gab es fast keine Berichterstattungen über Impfstoffe oder Medikamente.

Egal welches Medium ich zur Zeit für Neuigkeiten heranziehe, überall das gleiche Bild. Graphen, Statistiken, Hochrechnungen, Einschätzungen und Landkarten mit tiefroten Flecken von Neuinfektionen durch das Corona-Virus. Auch im Radio das immer gleiche. Und das bereits morgens, bevor ich in den Spiegel geschaut habe. Warum berichtet die Freie Presse nicht mehrmals täglich über den Fortschritt bei der Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten? Wenn ein Virus die Welt verunsichert, sollten doch genau solche Nachrichten in den Focus gerückt werden. Auf jeden Fall würde ich als Süddeutscher genau das hören wollen. Sie etwa nicht?

Bild: KitzD66 von pixabay   (Bald soll es so etwas angeblich nicht mehr geben. Frau Merkel versprach den Kohle-Ausstieg für 2038.)

Vor nicht allzu langer Zeit, es muss in der Epoche des Faxgeräts (Anm. d. Red.: Telefon mit Papier) gewesen sein, hatte Frau Merkel versprochen, die Emissionen in Deutschland bis 2020 um mindestens 40 Prozent gesenkt haben zu wollen. Heute im Jahr 2019, stellen Experten fest, das wird wohl nicht ganz klappen. Und das, obwohl der Blaue Engel - Verzeihung, obwohl die Umwelt-Kanzlerin so große Hoffnungen in die Vernunft der Industrie gesetzt hatte. Freiwillig sollten die Großkonzerne den Empfehlungen der Regierung folgen; mit Weitsicht, Moral und Eigenverantwortung in eine saubere Zukunft, ohne vom Staat mit lästigen Gesetzen gegängelt zu werden. Und das war auch sehr weitsichtig von der Kanzlerin, denn im Kapitalismus muss der Markt grenzenlos frei sein. Nur er kann sich selbst regulieren. Lästige Gesetze für Konzerne sind nur was für Diktaturen. Das weiß doch jedes (zur Arbeit gezwungene) Kind. Abgesehen davon würden zu viel Regularien das Produzieren von Waren unnötig kompliziert machen. Und am Ende leidet wieder der Konsument, weil Firmen die Kosten an ihn weitergeben müssten.


Besprechungsraum im Stiel des antiken Roms

Arbeitsteilung in einer hochzivilisierten Gesellschaft ist eine gute Sache. Keiner bei klarem Verstand würde von einem Metzger am Knie operiert werden wollen, nur weil der scharfe Messer besitzt. Oder freiwillig über Brücken fahren, die Ratingagenturen gebaut haben, nur weil die theoretisch wissen, welcher Brückenbauer ihrer Ansicht nach gute Arbeit verrichtet. Handwerk, auch das akademische will gelernt sein. Aus diesem Grund sollte Satire von Satirikern, Politik von Politikern und Nachrichten von Medienschaffenden gemacht werden. Doch diese Zeiten sind vorüber! Kabarettisten übernehmen die unabhängige Berichterstattung und Politiker versuchen sich in Satire. Wo diese Entwicklung wohl hinführt?

Kerngeschäft Recherche

Lange Zeit war das Kerngeschäft der Leitmedien die kritische Berichterstattung. Irgendwann kamen die Heuschrecken und kauften emsig Verlage auf. Seitdem verkümmern Nachrichten zu einem Geschäft, das Profit abwerfen muss. Journalisten müssen sich den Gesetzen der Marktwirtschaft beugen und - was viel schlimmer ist - ihren neuen Herren. Für unabhängige Berichterstattung ist das keine gute Nachricht.
Vielleicht mag diese Entwicklung der Grund sein, warum immer mehr Menschen lesenswerte Informationen in den alternativen Medien suchen. Auch die können, ebenso wie alteingesessenen Print-Medien, sehr hochwertig sein. Alternative Medien kaufen jedenfalls nicht ihrer Nachrichten zentral von einer der wenigen Presseagenturen. Sie recherchieren selber - anscheinend können sie sich das leisten.
Und was ist mit den öffentlichen Rundfunkanstalten? Sind hier ebenfalls die alternativen Beiträge auf den Videoportalen besser als die täglichen Zusammenfassungen des Weltgeschehens in fünfzehn oder zwanzig Minuten (je nach Sender)?

Gott sei Dank gibt es noch Andere neben dem Chef des Magazins Focus, die den Job des Fakten-Schaffens Ernst nehmen. Und so ist es vor ein paar Tagen Verkehrsminister Andreas Scheuer tatsächlich gelungen, unter Zuhilfenahme von Experten, die „[...] Sachlichkeit und Fakten in die Diesel-Debatte […]“ zurückbringen. 107 Lungenspezialisten haben nämlich bei einer erneuten Überprüfung der Sachlage herausgefunden, die bisher geltenden Stickoxid-Obergrenzwerte waren in Großstädten vieeeel zu niedrig angesetzt. Ein neuer Fakt wurde geboren und Fahrverbote in größeren Metropolen gelten bald nur noch für antike Dampfmaschinen.

Jedoch … waren diese 107 Experten wirklich Pneumologen oder lediglich Kapitäne der Donaudampfschiffahrtselektrizitätenhauptbetriebswerkbauunterbeamtengesellschaft? Die tragen meist ebenfalls Weiß und sind ohne Donaudampfschifffahrtskapitänsmütze leicht mit Ärzten zu verwechseln. Leider wurde von staatlicher Stelle versäumt, diesen Fakt zu überprüfen. Ist aber auch egal, da sich Schiffsführer um eventuelle Fahrverbote keine Sorgen machen müssen. Die 450 kg Feinstaub, die so ein Luxuskreuzer pro Tag durch Verbrennen von Schweröl erzeugt, schadet dem Klima anscheinend nicht so sehr wie Dieselabgase von Landfahrzeugen. Schließlich gibt es auf den Weltmeeren in Summe viel weniger Kreuzfahrtschiffe als auf dem Festland Dieselfahrzeuge. Dabei spielt es keine Rolle, dass die 15 größten Kreuzfahrtschiffe mehr schädliche Schwefeldioxide ausstoßen als 760 Millionen Autos weltweit. Folglich sind CO2-Obergrenzen für Vergnügungsdampfer völlig unnötig. Bei derart guter Faktenlage können Bewohner von Hafenstädten doch beruhigt aufatmen.