Extrablatt


Bild: Planung von Wolfgang Niesner, 1978

Aufgrund einer kleinen Unachtsamkeit ist der europäischen Arbeitsbehörde das Bürokratiemonster entwischt. Allein die Ankündigung versetzt viele Unternehmender in Angst und Schrecken. Wirtschaftsexperten fürchten, wo das Monster zuschlägt, wird der Geldfluss für Top-Manager und Shareholder versiegen, denn das Monster hat es auf die Auszahlung aller Überstunden der Angestellten abgesehen. Aber auch Werkverträge und andere Tricks zur Umgehung des Mindestlohns sind gefährdet.

Der Bund der Arbeitgeber fürchtet, dass auf viele Firmen Kosten in Milliardenhöhe zukommen, wenn sie ihre Mitarbeiter zukünftig gerecht entlohnen müssen. „Schrecklich ist das!“, sagte ein Arbeitgeber, der eine Tochtergesellschaft im Amazonas unterhält und hier namentlich nicht genannt werden will. „Das macht menschlicher Arbeit unbezahlbar. Die Unantastbarkeit des Neoliberalismus könnte irreparablen Schaden nehmen.“

Arbeitgeber aller Länder vereinen sich, um das Biest einzufangen. Es muss möglichst schnell und leise zur Strecke gebracht werden, noch bevor es die Chance hat, den freien Markt aufzufressen. Treibt das Schreckgespenst zu lang ungehindert sein Unwesen, bringt das Arbeitnehmer womöglich auf dumme Gedanken. Sie könnten sich schlimmstenfalls wieder solidarisieren, fürchtet ein Manager. Am Ende wollen Arbeiter gar noch in Verbünden organisiert, ihre ihnen zustehende Rechte einfordern.
Um das zu verhindern, wird der Arbeitgeberverband möglichst schnell dieselben Monsterjäger verpflichtet, die schon den Mindestlohn bei Zeitungsausträgern so effizient ausgetrieben hatten.

Software-Experten hingegen sind der Meinung, das Monster wolle nur spielen. Sie entwickeln bereits eine App zur simplen Erfassung.

 

Was für Hundehalter noch freiwillig ist, wird wegen einer neuen EU-Verordnung für Landwirte bald Vorschrift sein. Kuhscheiße muss ab nächsten Monat einzeln in Plastikbeutel verpackt werden.

EU-Gesundheitsexperten stellten eine erhöhte Umweltbelastung durch Methangas in ländlichen Gegenden fest. Deswegen dürfen Bauern mit mehr als vier Weidekühen in Zukunft die Kuhfladen nicht länger als 1677,88 Sekunden auf ihren Wiesen liegen lassen. Darüber hinaus muss jeder Kuhfladen separat eingetütet werden. Für Scheiß-Experten ist das die einzige Möglichkeit, die Umwelt nicht mit noch mehr Methangas zu belasten. Wo und wie die ganze Scheiße anschließend gelagert oder gar entsorgt werden soll, können die Scheiß-Experten zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.
Abgesehen vom personellen Aufwand, jeden Haufen einzeln zu verpacken, sehen Bauern besonders ein Problem bei der Beschaffung so großer Kotbeutel. Die momentan auf dem Markt verfügbaren sind lediglich für die viel kleineren Hundehaufen geeignet. Hersteller haben zu Bedenken gegeben, vor Ende 2020 mit der Produktion solch großer und stabiler Beutel nicht anfangen zu können. 

Der schwedische Möbelhersteller kündigte indes an, für den Zeitraum bis 2020 seine blauen Einkaufstaschen für den Übergang kostenlos zur Verfügung zu stellen. Laut einem Sprecher von Ikea müssen es aber unbedingt die blauen sein! Das Möbelhaus will damit vermeiden, dass die Bauern wegen der allgemein-gültigen Ikea-Regel die gelben Tragetaschen nach Nutzung an den Kassen zurückgeben.

 

Die Deutsche Bahn wird zur Freude ihrer Kunden die Preise dieses Jahr nicht erhöhen. Um die Gehälter der Vorstände trotzdem maßlos steigern zu können, bedient sich die Bahn eines Tricks, den die Lebensmittelindustrie gerne anwendet: Die Preise bleiben gleich, während der Verpackungsinhalt weniger wird.

Auf einer außerplanmäßigen Pressekonferenz stellte die Bahn ihr neu ausgearbeitetes Konzept der Öffentlichkeit vor: „Natürlich werden die Züge in Zukunft nicht mit weniger Sitzplätzen ausgestattet, das wäre absurd! Doch um die Ticketpreise stabil halten zu können, werden Kopfbahnhöfe ab sofort nicht mehr vollständig angefahren, die Züge halten kurz vorher. Den Rest müssen die Passagiere laufen.“

Nach ersten Schätzungen unzähliger überbezahlter Unternehmensberater kann die Bahn dadurch jedes Jahr Millionen von Kilometern einsparen und folglich die Preise für ihre Kunden stabil halten. So können sich Fahrgäste und Topmanager am Ende des Jahres über mehr Geld in ihren Taschen freuen.

 

Bild: Greg Montani

Für Weicheier, die gerne risikoreich spielen, aber russisches Roulette zu hart ist, gibt es nun eine harmlosere Variante:

„Chinesisches Roulette“.

Ein Spielbrett oder gar eine App werden nicht benötigt und jeder zwischen 3 bis 113 Jahren, der schon, oder noch Zähne hat, kann mitmachen. Je nach Anzahl der Mitspieler könnte es jedoch nötig sein, eine Reservierung in einem nahe gelegenen chinesischem Restaurant vorzunehmen. (Alternativ stehen selbstverständlich auch Inder, Thailänder oder Libanese zur Verfügung). Im Restaurant angekommen, bestellen alle Mitspieler, OHNE auf die Karte zu schauen, irgendeine Nummer. Kommt die gewählte Nummer nicht vor, gilt es, solange weiter zu raten, bis eine vorhandene Nummer gefunden wurde. Ziel des Spieles ist es, sein bestelltes Gericht komplett aufzuessen. Wer wegen einer zu scharfen Speise abbrechen muss, hat verloren.

 

Informationen über ein angebliches Hightech-Ortungsgerät der Russen sorgte beim amerikanischen Militärgeheimdienst kurzzeitig für Aufregung. Bislang ging die Defense Intelligence Agency davon aus, dass der Kreml sich Spezialgeräte zum frühzeitigen Aufspüren von gegnerischen Kriegsschiffen nicht leisten kann. Ein russischer Wal mit Kamera auf dem Kopf hätte die strategischen Vorteile der hoch technisierten US-Marine zu Nichte gemacht. Mit dem supermodernen Hightechgerät wäre der Kreml in der Lage gewesen, US-Kriegsschiffe viel früher als mit handelsüblichen Ferngläsern zu orten. Die erste Aufregung im Pentagon legte sich jedoch schnell wieder, nachdem finnischer Fischer beim Füttern des mutmaßlich russischen Kriegsgeräts feststellten, dass es sich bei dem ominösen Gegenstand am Hals des Wals um keine Kamera handelte.


Bild: succo

In einer Waschküche fing ein Student beim Spielen von Pokémon Go versehentlich das Monster „Weißer Riese“. Die Bestie seifte den jungen Mann so heftig ein, dass all seine Klamotten über Wochen hinweg strahlend weiß blieben.
Nun hofft der Spieler auch das Pocket-Monster „Per Woll“ zu fangen. Denn das Pokémon des nächsten Levels kann alle Textilen wieder wie neu aussehen lassen. Wen dem Studenten das gelingt, bräuchte er nie wieder neue Kleidung kaufen und hätte somit mehr Geld für In-App-Käufe übrig.

 

Bild: OpenClipart-Vectors

Wegen einer neuen EU-Urheberrechtsreform wird das europäische Internet mit sofortiger Wirkung jeden Tag ab 24 Uhr für vier Stunden abgeschaltet. Um Nutzern aber nicht den Eindruck zu vermittelt, das Internet sei kaputt, wird während der Zeit das aus den 1970er-Jahren bekannte Testbild für den Sendeschluss gestreamt. Der Bayerische Rundfunk überträgt das Bild für ganz Europa mit einer hochauflösenden Kamera via Livestream von einem Röhrenbildschirm, der noch im Archiv des BR steht.

Europäische Seitenbetreiber müssen den „Sendeschluss“ nutzen, um illegal hochgeladenen Content zu suchen und anschließend zu löschen. Die Algorithmen der Upload-Filter können die schiere Menge an Katzenvideos und Bildern von Mahlzeiten urheberrechtlich nicht unterscheiden. Zur Unterstützung der überforderten Algorithmen sollen arbeitslose Stasi-Spitzel eingesetzt werden, die vorher zwingend einen Computerintensivkurs für Rentner an der VHS absolviert haben müssen. Der Kurs wird vom Arbeitsamt gefördert.