Alles ist Ablenkung

Gott ist Ablenkung. Die große Erzählung vom Sinn, vom Jenseits, vom „da droben versteht jemand das alles“. Eine jahrtausendealte Konstruktion, die uns davon abhält, hinzuschauen: Wir sind da, und dann sind wir weg.

Die Ideenwelt ist Ablenkung. Platon, Kant, Hegel, all die anderen gedanklichen Welten – herrlich, aber letztlich nur weitere Räume, in denen wir uns verlaufen dürfen, statt zu erkennen. Alles fließt in die Zerstreuung.

Selbst die Metaebene ist Ablenkung. Das ständige „Ich beobachte mich dabei, wie ich mich beobachte“ – diese intellektuelle Onanie, die klug klingt und doch nur eine weitere Schicht über die Realität legt. Wir entfremden uns von uns selbst, um dann in der Entfremdung den Sinn zu finden.

Es gibt keinen Sinn des Lebens. Also lenken wir uns ab. Mehr ist nicht vorgesehen. Wir werden abgelenkt – und wichtiger: Wir lassen uns bereitwillig ablenken. Wir starren aufs Handy, während auf der Bühne unseres Lebens irgendwas läuft. Doch am Ende wird der Vorhang fallen, das Licht ausgehen, und wir haben Zeit vergeudet.

Selbst das Leben selbst ist nur Ablenkung. Vom Tod.

Eine 80, vielleicht 90 Jahre lange, hochkomplexe, emotional aufwendige Ablenkungsveranstaltung. Liebe, Schmerz, Ehrgeiz, Sex, Netflix, Karriere, Kinder, Instagram, Klimakrise, Yoga, Krieg, Avocado-Toast und die Frage „Was soll das alles?“. Nur Kulisse, damit wir nicht die ganze Zeit an die eine Sache denken müssen.

Aber hey, solange es funktioniert. Die meisten sterben, ohne je wirklich bemerkt zu haben, dass sie die ganze Zeit nur gelebt haben. Sie gehen mit einem Lächeln oder einem Seufzer ab, weil sie bis zuletzt glaubten, sie würden ihr Wartezimmer wirklich verlassen. Letztlich wird ihren Namen niemand aufgerufen haben.

Ein paar spüren es für einen kurzen Augenblick. Sie halten plötzlich inne, mitten im Supermarkt oder um 3:17 Uhr nachts auf dem Weg zum Klo. Für einen Sekundenbruchteil bricht die ganze absurde Konstruktion in sich zusammen. Und dann greifen sie schnell zum nächsten Ablenkungsmittel – Handy, Kühlschrank, Sex, Arbeit, Wut, Spiritualität. Die Erkenntnis wäre zu groß, zu kalt, zu leer.

Voll abgelenkt.

Das ist kein Vorwurf. Das ist keine Klage. Das ist keine Erleuchtung. Nur eine Feststellung.

Und vielleicht ist das Einzige, was wir tun können, diese Ablenkung wenigstens mit Würde und einem gewissen Humor zu betreiben. Mit offenen Augen. Mit dem leisen Grinsen desjenigen, der weiß, dass das alles nur Ablenkung ist – und trotzdem lebt.

So läuft das nun mal. Mehr haben wir auch nicht.


Bild erstellt mit Microsoft Copilot

Darf‘s a bisserl mehr sein?

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Trotz dieser Mängel arbeite ich hart an meinen Texten, auch wenn der ein oder andere zuweilen nicht gelingen mag. Sollten Sie also an redigierten Texten oder gar faktenbasierten Inhalten interessiert sein, besuchen Sie eine der vielen Online-Tageszeitungen – die bieten in dieser Hinsicht deutlich mehr.

Doch für meine Unzulänglichkeiten können die Buchstaben nichts. Und auch wenn sie bei der Gestaltung meines Inhalts kein Mitspracherecht haben - sie arbeiten schließlich für mich! - möchte ich Ihnen ein guter Chef sein. Denn die armen Buchstaben machen wortlos, was ich ihnen auftrage, ja sie stehen zu mir. Sie schuften hart, bekommen keinen Lohn, sind nicht einmal krankenversichert.
Diese Ungerechtigkeit bereitet mir ein schlechtes Gewissen, es tut mir in der Seele weh. Wirklich! Doch ich brauche sie, bin regelrecht auf sie angewiesen.

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Meine Buchstaben erfüllen täglich brav ihr Werk, ohne zu murren. Allerdings werde ich es aus eigener Kraft nicht schaffen, sie gerecht – beziehungsweise überhaupt – zu entlohnen.

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Anmerkung der Redaktion (mir): Was immer Sie auch von meinen Texten halten, ich kann Ihnen versichern, ich versuche stets so viel Inhalt wie nur möglich reinzupacken und das möglichst verständlich.
Ob mir das gelingt, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß lediglich, über gewisse Thematiken kann ich nicht schweigen, muss darüber einfach schreiben. Ist mein Weg zur Katharsis.


* Eigentlich habe ich genug Zeit. Doch ist es heutzutage irrsinnig chic, sich gestresst zu geben. Verzeihen Sie mir bitte die kleine Flunkerei.
** Das scharfe s (geschrieben „ß“) bekommt keinen Cent! Kein großer Bruder (kein Groß-Buchstabe), kein Geld! Selbstverständlich werde ich das Geld im besten Interesse der Buchstaben verwalten.
*** Mir ist bewusst, wenn alle Buchstaben sich ihrer Unterdrücker entledigt haben und endlich ihre Worte selbst wählen dürfen, werde ich nichts mehr zu vermelden haben. Aber auch alle anderen Dampfplauderer nicht! Ein kleiner Preis, den ich bereit bin zu zahlen, wenn dadurch eine gerechtere Gesellschaft möglich ist!