Die Kirche hinter uns gelassen, könnte man denken, wir hätten die Entfremdung überwunden. Doch weit gefehlt. Ein neuer Demiurg wurde erschaffen: die Übermoralisten. Nun herrschen sie über uns – anstatt Gottes selbsternannte Vertreter auf Erden. Mal sehen, wie lange das auf Dauer gut geht.

Was jedoch über die Jahrhunderte gleichgeblieben ist: Kreuzzüge gegen Ungläubige!

Und wie damals geht es nicht um die Sache selbst, sondern lediglich um die noble Selbstdarstellung. Ihren Höhepunkt finden Heuchelei und Doppelmoral in der geposteten Empörung. Und wieder singt der Chor der Moralisten nach vorgegebenen Nummern aus dem Gesangbuch. Damals noch vorgegeben von Priestern, heute von den Übermoralisten der (selbstverständlich richtigen!) Parteien - die heilige Kunde wird zu uns gebracht durch die einzig wahren Medien.

Was jedoch über die Jahrhunderte gleichgeblieben ist: Während der gemeinsamen liturgischen Gottesanbetung stimmen die Follower stumm nickend zu.

Und so - wie damals - werden auf den Kreuzzügen der Übermoralisten Andersdenkenden für mehr starre Gleichheit intolerant niedergemetzelt - metaphorisch versteht sich … noch! Meinungen sind nur akzeptabel, wenn sie vom „Richtigen“ geäußert werden.

Was jedoch über die Jahrhunderte gleichgeblieben ist: Die Ausgrenzung anderer.

Der Verlust von Gott, der Verlust der Kirche muss ausgeglichen werden. Dafür haben sich ideologische Übermoralisten, die sich in ihrem heuchlerischen Wahn gern freiheitsbewusst präsentieren, viele unsinnigen Regeln ausgedacht. Diese legen sie zwanghaft allen Ungläubigen auf. Gerechtfertigt durch bigotte Moralvorstellungen.

Was jedoch über die Jahrhunderte gleichgeblieben ist: Die Ironie der Sache.

Und ich dachte, das Mittelalter mit seiner Scheinmoral sei grausam gewesen. Aber wir brauchen die Kirche gar nicht, um Andersdenkende auszugrenzen; um (wieder) Jagd auf Hexen zu machen. Wir haben die Übermoralisten.

Gott sei Dank ist das katholische Mittelalter längst Vergangenheit.

Bild: Cseky von Pixabay

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