„Lügenpresse“ ist ein Kampfbegriff. Ein zu oft missbrauchtes Wort. Ein grobes Etikett, das zwar beschreibt, aber auch zuschlägt. Dem will ich mich nicht anschließen.
Unabhängig davon, das Problem bleibt.
Denn ja: Die Presse lügt.
Nicht immer nur durch Weglassen – auch ganz banal durch direkte Unwahrheiten. Nicht als Ausrutscher, sondern als Methode: emotional aufgeladene Geschichten wie aus Hollywood, „gesicherte“ Behauptungen, nachrichtlich vorgetragen, politisch nützlich. Und wenn sie später dabei ertappt wird, war es natürlich keine Lüge, sondern „Kontext“, „Fehleinschätzung“, „Panne“, „unvollständige Informationen“ oder „Andere waren‘s“. Manipulation im Tonfall einer „seriösen“ Nachrichten.
Auch muss endlich damit aufgehört werden, so zu tun, als hätte die bloße Weiterverbreitung von Pressemitteilungen der WHO, der NATO, des Weißen Hauses, unserer Regierung irgendetwas mit Journalismus zu tun. Wenn eine Meldung eins zu eins aus Regierungs- oder Militär-Pressestelle übernommen wird, dann ist das kein Journalismus, dann ist es PR mit Presseausweis.
Damit das alles auch ja nicht infrage gestellt wird, braucht es die passende Sprachregelung gleich dazu. Und genau deshalb werden die Brandmauern gleich mit hochgezogen. Geliefert von denselben Leuten, die jede Kritik an Medienarbeit sofort als „Angriff auf die Demokratie“ etikettieren, selbstverständlich mit erhobenem Zeigefinger. Denn bestimmte Wörter dürfe man nicht sagen, das sei gefährlich, das sei verboten. Gleichzeitig werfen sie selbst mit Kampfbegriffen um sich, als gäbe es im Krieg der Gerechten je ethische Nachschubprobleme: Verschwörungstheoretiker, Corona-Leugner, Klimaleugner, Spaziergänger, Wutbürger – und wenn gar nichts mehr hilft: Nazi. Praktisch. Ein Wort, und die Debatte ist entsorgt. Der Vorteil: Ihre Begriffe klingen neuer, demokratisch hygienischer – aber sie richten denselben Schaden an.
Aber gut. Lassen wir die Wortspiele. Reden wir über Journalismus.
Ich erwarte von Journalismus etwas anderes.
Ich erwarte, dass mir alle Seiten gezeigt werden. Die eine wie die andere. Die Argumente, die ins Bild passen – und die, die nicht ins Bild passen. Die unbequemen Fakten, die Gegenstimmen, die Zweifel. Sonst ist es keine Berichterstattung mehr. Sonst ist es Propaganda im Deckmantel von Journalismus.
Aber all das ist kein Versehen.
Das ist System.
Und genau deshalb ist das Misstrauen so groß – nicht weil böse Wörter besonders klug gewählt wären, sondern weil sie beschreiben, was Millionen Menschen täglich spüren: Sie werden nicht informiert. Sie werden gefüttert.
Ein Verschwörungstheoretiker
Illustration: KI-generiert mit ChatGPT (OpenAI)
