Aus gegebenem Anlass

Es ist sehr schön, wenn Freunde, Verwandte und Bekannte sich reproduzieren und ich als Unbeteiligter über das „Ergebnis“ auf irgendeine Weise Mitteilung erhalte. Vor einigen Jahren bekam ich noch kreative und wohl überlegte Karten zur Geburt des Nachwuchses. Ich konnte auf dem Bild ein kleines Etwas oder einen Fuß von ihr/ihm erkennen, es war  gewaschen und trug winzige Kleidungsstücke.
Mittlerweile erhalte ich elektronische Post mit Fotoanhang fast direkt aus dem Kreißsaal, die ein zerknautschtes (meist mit weit offenem Mund schreiendes) Wesen zeigen, eine komplett fertige und übermüdete (dennoch überglückliche) Mutter und ab und an auch den äußerlich  lächelnden Vater (wenn er nicht gerade derjenige ist, der das Foto knipst und Gott-sei-Dank nicht auch noch zu sehen sein muss).

Bis vor kurzem habe ich mir über diese Art von bunter und kreativer Informationspreisgabe keine allzu großen Gedanken gemacht. Aber dann wurde ich im Münchner Lustspielhaus beim aktuellen Kabarettprogramm des Bayerischen Kabarettpreis-Gewinners 2007 (Senkrechtstarter) Claus von Wagner eines Besseren belehrt. In „3 Sekunden Gegenwart“ (auch als Live-CD erhältlich, und nein, ich mache weder direkte oder versteckte Werbung; das Programm und besonders diese Passage haben es mir angetan) stellt CvW sich und dem Publikum die Frage, warum mir als Adressat der geburtlichen Neuigkeiten denn Größe,  Gewicht und sämtliche anderen Maße des neuen Erdenbürgers mitgeteilt werden müssen. Unsereins möchte das Baby ja nicht kaufen.
 
R I C H T I G
Liebe gerade oder zukünftig Gebärenden, bitte verschont Eure Euch (noch) nahestehenden Freunde zukünftig mit der Angabe zu Größe, Gewicht und Kopfumfang Eures (ja, ich weiß, dass es das schönste und bestaussehende Baby der Welt ist) frisch geborenen Würmchens. Ich möchte es weder kaufen und nach cm oder kg bezahlen noch bin ich gewillt, dem Neuling aufgrund der Geburtsstunde und –minute (es fehlt nur noch die Sekundenangabe, wann es aus dem Unterleib herausgepresst, geholt oder -geschnitten wurde) Tarotkarten zu legen noch die astrologische Zukunft vorherzusagen. Außer natürlich, Ihr möchtet dies explizit und habt deshalb all die Informationen an Personen preisgegeben, die teilweise wenig damit anfangen können außer vielleicht der involvierten Mutter zum übergroßen Kopfumfang des Neugeborenen Mitleid zu bekunden (der Kopf musste ja schließlich irgendwo durch).
Wichtige Informationen über den Nachwuchs sind in heutiger Zeit vielmehr das Geschlecht, auf das in den letzten Jahren nicht immer aufgrund der extravaganten Namensgebung durch die Erzeuger geschlossen werden kann. Und mit dem Namen muss das arme Ding ja durchschnittlich über 70 Jahre leben...
Gern wissen würde ich persönlich lieber die Länge und Dicke der Nabelschnur. Gibt es da Unterschiede und wenn ja, welche? Das sind doch Informationen, die die Welt (und die Wissenschaft) sicher brauchen könnte.
Danke auch für Euer Verständnis zugunsten eventuell zukünftiger Wochenend-Babysitter.

Darf‘s a bisserl mehr sein?

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Zu guter Letzt

Das Betreiben meiner Internetseite kostet Geld, vor allem aber Zeit. Von dem einen habe ich weniger als vom anderen.*
Trotz dieser Mängel arbeite ich hart an meinen Texten, auch wenn der ein oder andere zuweilen nicht gelingen mag. Sollten Sie also an redigierten Texten oder gar faktenbasierten Inhalten interessiert sein, besuchen Sie eine der vielen Online-Tageszeitungen – die bieten in dieser Hinsicht deutlich mehr.

Doch für meine Unzulänglichkeiten können die Buchstaben nichts. Und auch wenn sie bei der Gestaltung meines Inhalts kein Mitspracherecht haben - sie arbeiten schließlich für mich! - möchte ich Ihnen ein guter Chef sein. Denn die armen Buchstaben machen wortlos, was ich ihnen auftrage, ja sie stehen zu mir. Sie schuften hart, bekommen keinen Lohn, sind nicht einmal krankenversichert.
Diese Ungerechtigkeit bereitet mir ein schlechtes Gewissen, es tut mir in der Seele weh. Wirklich! Doch ich brauche sie, bin regelrecht auf sie angewiesen.

Ohne Buchstaben keine Worte, keine Texte und folglich kein NONrelevant.

Meine Buchstaben erfüllen täglich brav ihr Werk, ohne zu murren. Allerdings werde ich es aus eigener Kraft nicht schaffen, sie gerecht – beziehungsweise überhaupt – zu entlohnen.

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Je mehr Sie spenden, desto wahrscheinlicher ist es, dass meine armen Buchstaben sich irgendwann in Zukunft vielleicht eine eigene Existenz aufbauen können und endlich ihre Worte frei wählen dürfen.
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Wie?
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Anmerkung der Redaktion (mir): Was immer Sie auch von meinen Texten halten, ich kann Ihnen versichern, ich versuche stets so viel Inhalt wie nur möglich reinzupacken und das möglichst verständlich.
Ob mir das gelingt, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß lediglich, über gewisse Thematiken kann ich nicht schweigen, muss darüber einfach schreiben. Ist mein Weg zur Katharsis.


* Eigentlich habe ich genug Zeit. Doch ist es heutzutage irrsinnig chic, sich gestresst zu geben. Verzeihen Sie mir bitte die kleine Flunkerei.
** Das scharfe s (geschrieben „ß“) bekommt keinen Cent! Kein großer Bruder (kein Groß-Buchstabe), kein Geld! Selbstverständlich werde ich das Geld im besten Interesse der Buchstaben verwalten.
*** Mir ist bewusst, wenn alle Buchstaben sich ihrer Unterdrücker entledigt haben und endlich ihre Worte selbst wählen dürfen, werde ich nichts mehr zu vermelden haben. Aber auch alle anderen Dampfplauderer nicht! Ein kleiner Preis, den ich bereit bin zu zahlen, wenn dadurch eine gerechtere Gesellschaft möglich ist!

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