Die Smart-Home-Euphorie bekommt weitere Risse – ausgerechnet dort, wo Geld selten als begrenzender Faktor gilt. Ein vermögender Privathaushalt berichtet von wiederkehrenden Ausfällen bei Spracherkennung, Routinen und Gerätesteuerung; trotz „signifikanter Stabilitätsverbesserungen“ und Qualitäts-Updates bleiben die Geräte funktional weiterhin dümmer als der Toaster. Die Konsequenz wirkt wie ein Comeback aus der Vorkonnektivitäts-Ära: In den Villen der Ultra-Vermögenden ersetzt man „Smart Home“ wieder durch Hauspersonal.
In einem Interview mit der Zeitschrift „Geld arbeitet effizienter“ erklärte der Betroffene, selbst kürzlich eingereiste Migranten ohne Kenntnisse der Landessprache setzten Anweisungen zuverlässiger um als die „intelligente“ Assistenz-Software. Das Argument ist bemerkenswert, weil es nicht als Nostalgie, sondern als Effizienzmaßnahme verkauft wird. In einschlägigen Kreisen spricht man bereits von „Human-in-the-Loop“ – allerdings nicht für KI-Modelle, sondern für den Haushalt: Hauptsache, es gibt etwas, das richtig reagiert, rund um die Uhr verfügbar ist und sich nicht beschwert.
Wohltätigkeit als Betriebssystem
Wohltätigkeit gilt derzeit als sichtbares Statusmerkmal. Spenden allein reichen vielen Vermögenden jedoch nicht mehr aus, um soziales Engagement öffentlichkeitswirksam zur Schau zu stellen. Entsprechend wird über „nachhaltigere“ Formen der Unterstützung nachgedacht – skalierbar, wiederholbar, medienkompatibel.
Ein Modell wird dabei als ‚Win‑win‘ vermarktet: Menschen aus Krisengebieten sollen in privaten Haushalten als „Fachkräfte“ arbeiten – vorzugsweise dort, wo der Begriff Arbeitszeit so flexibel ist, dass er von Reinigung über Kinderbetreuung bis zur permanenten Verfügbarkeit alles abdeckt. Der Vorteil gegenüber smarten Geräten: Sie bleiben motiviert, selbst wenn der Lohn die Mindeststandards unterschreitet. Die Triebfeder ist nicht Bezahlung, sondern „Hoffnung“ – der Aufstiegsmythos vom Tellerwäscher zum Millionär, der sich in den kapitalistischen Zentren besonders effizient verkaufen lässt. Hoffnung kostet fast nichts, benötigt keine Rohstoffe und hält die Arbeitsmoral stabil. (*)
Klimaschutz, weil keiner will, dass kleine Kinder in Minen sterben
Beruhigend zu sehen, dass der Klimawandel inzwischen sogar in wohlhabenden Kreisen als Haltung angekommen ist – solange er den eigenen Lebensstil nicht beeinträchtigt. Allerdings genügt es in dieser Argumentation nicht, SUV, Privatjet und Yacht einfach mit „grünem Strom“ zu betreiben. Wer es ernst meine, müsse darüber hinaus Rohstoffe sparen – vor allem bei Elektronik, die seltene Erden, Lithium und andere knappe Ressourcen bindet.
Denn so „smart“ Geräte auch sein mögen: Am Ende ihrer Lebensdauer werden sie zu Elektroschrott – oft schon dann, wenn die Frustration das routinierte „Neustarten“ endgültig ersetzt. Menschliche Haushaltshilfen gelten in dieser Rechnung als die nachhaltigere Alternative: Sie benötigen keine Lithium-Akkus, keine Ladezyklen und seien – in den meisten Fällen – zu 100% biologisch abbaubar (**).
Der Markt reagiert: Serviceversprechen für humanoide Lösungen
Wie immer, wenn Moral zur Nachfrage wird, entstehen passende Angebote. Import-Export-Spezialisten haben den Trend erkannt und arbeiten an „End-to-End“-Paketen. Illegal Eingereiste seien in der Anschaffung zwar „kostengünstig“, aber verglichen mit smarten Geräten im Unterhalt teurer. Folglich müsse die Dienstleistung stimmen, heißt es aus der Branche.
Um konkurrenzfähig zu bleiben, werden neue Standards in Aussicht gestellt: lebenslange Garantie auf Tüchtigkeit, Austausch binnen 24 Stunden bei nicht selbst herbeigeführten Schäden sowie ein Rückgaberecht von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen – Nichtgefallen eingeschlossen. Aus Konsumentensicht ist das konsequent: Wer bei Geräten Retouren gewohnt ist, möchte auf Komfort nicht verzichten, nur weil das Produkt atmet.
(*) Die Chancen, vom Tellerwäscher zum Millionär zu werden, gelten für Teilnehmende ab 18 Jahren. Glücksspiel kann süchtig machen. Die Gewinnwahrscheinlichkeit beträgt 1 : 1.349.204.848.
(**) Voraussetzung für vollständige biologische Abbaubarkeit: Personen, die im Heimatland bei der Produktion für Industrieländer nicht länger als zwei Jahre durchgehend giftigen Substanzen ausgesetzt waren.
Hinweis der Redaktion:
Dieser Text wurde nach bestem Wissen und gemäß allen Regeln des Euphemismus (Neudeutsch: Framing) erstellt. Auf das Wort „Sklave“ wird daher bewusst verzichtet: Was sprachlich nicht vorkommt, existiert gesellschaftlich bekanntlich nur eingeschränkt. Positives Denken hilft. Alles ist gut.
Der Beitrag enthält außerdem Reichen-Bashing. Dieses ist jedoch nicht Ausdruck meines persönlichen Neids, sondern lediglich der stellvertretende Neid vieler Niedriglohnkräfte, etwa in Schlachtbetrieben, Paketzentren oder Textilfabriken in Bangladesch. Ich selbst bin nicht neidisch. Schließlich gilt: Reiche sind auch nur Menschen.
Sollten Sie anderer Meinung sein: Die sozialen Plattformen stehen Ihnen für Hate rund um die Uhr zur Verfügung.
Illustration: KI-generiert mit ChatGPT (OpenAI)

