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Comiczeichnung: eine lange, stille Schlange vor zwei Toilettentüren in einer Betonhalle; vorn ein grauhaariger Mann, der dringend muss.

Ich musste pinkeln. Dringend. Das Haus der Kunst war nah.

Dort gab es dafür bis vor Kurzem nicht nur eine bewährte Vorrichtung, sondern auch eine ziemlich simple: zwei Türen, Männer links, Frauen rechts, und hinter der linken Tür eine Reihe Pissoirs, an denen ein Mann sich hinstellt, seine Sache erledigt und wieder verschwindet. Schnell, wortlos, funktional — ein Pissoir ist kein Denkmal.

Mit der offenen Toilettentür kam die Erkenntnis: Wir müssen alle bessere Menschen werden. Also öffnete man beide Toiletten für alle, riss die drei Pissoirs heraus und ließ pro Raum drei Kabinen stehen. Nicht nur rechnerisch ein schlechter Tausch. Das Ergebnis steht jetzt auf dem Gang: eine Schlange.

Das sind unsere gesellschaftlichen Errungenschaften? Wir haben das Einzige entfernt, was noch funktionierte, und eine Warteschlange an seine Stelle gebaut. Niemand wird schneller bedient. Alle werden gleich schlecht abgefertigt — und wir nennen das Gleichheit? Nur damit eine kleine Gruppe sich gehört fühlt, hält eine große die Blase an.

Gefragt hat man in der Schlange keinen. Man hat für uns beschlossen, dass wir uns einbezogen zu fühlen haben, während wir weiter anstehen und uns dafür hassen.

Ich bin übrigens weiß, Mann und fast schon alt – angeblich das Feindbild, an dem sich die gesamte Fortschritts-Rhetorik abarbeitet. Für mein Gehörtwerden hat trotzdem nie jemand ein Pissoir herausgerissen. Vorteile habe ich dadurch, keine Frage. Nur sind sie nichts wert, solange der Status fehlt. Bis 35 habe ich Dreck gefressen, zeitweise drei Jobs.

Den Status haben andere – auch weiße Männer, meist noch viel älter als ich, aber ganz oben. Und das ist der Trick: Man stellt uns gegeneinander – Schwarz gegen Weiß, Frau gegen Mann, Alt gegen Jung, Links gegen Rechts –, damit wir einander zerfleischen, statt nach oben zu schauen und zu fragen, wer die ganze Zeit unsere Kassen leert.

Also hört auf. Hört auf, uns gegeneinander aufzuhetzen. Nicht die Hautfarbe, nicht das Geschlecht, nicht das Alter entscheidet – sondern allein der Status.

Und meiner war schon immer: Dreck fressen.


Bild erstellt mit Copilot

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Liebe Siri, liebe Alexa, liebes Google-Dingens, vorletzte Woche hatte ich mit meinem Chef ein Personalgespräch. Nach langem Hin und Her versprach er mir dann außerdem eine Gehaltserhöhung. Leider...

Zu guter Letzt

Das Betreiben meiner Internetseite kostet Geld, vor allem aber Zeit. Von dem einen habe ich weniger als vom anderen.*
Trotz dieser Mängel arbeite ich hart an meinen Texten, auch wenn der ein oder andere zuweilen nicht gelingen mag. Sollten Sie also an redigierten Texten oder gar faktenbasierten Inhalten interessiert sein, besuchen Sie eine der vielen Online-Tageszeitungen – die bieten in dieser Hinsicht deutlich mehr.

Doch für meine Unzulänglichkeiten können die Buchstaben nichts. Und auch wenn sie bei der Gestaltung meines Inhalts kein Mitspracherecht haben - sie arbeiten schließlich für mich! - möchte ich Ihnen ein guter Chef sein. Denn die armen Buchstaben machen wortlos, was ich ihnen auftrage, ja sie stehen zu mir. Sie schuften hart, bekommen keinen Lohn, sind nicht einmal krankenversichert.
Diese Ungerechtigkeit bereitet mir ein schlechtes Gewissen, es tut mir in der Seele weh. Wirklich! Doch ich brauche sie, bin regelrecht auf sie angewiesen.

Ohne Buchstaben keine Worte, keine Texte und folglich kein NONrelevant.

Meine Buchstaben erfüllen täglich brav ihr Werk, ohne zu murren. Allerdings werde ich es aus eigener Kraft nicht schaffen, sie gerecht – beziehungsweise überhaupt – zu entlohnen.

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Anmerkung der Redaktion (mir): Was immer Sie auch von meinen Texten halten, ich kann Ihnen versichern, ich versuche stets so viel Inhalt wie nur möglich reinzupacken und das möglichst verständlich.
Ob mir das gelingt, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß lediglich, über gewisse Thematiken kann ich nicht schweigen, muss darüber einfach schreiben. Ist mein Weg zur Katharsis.


* Eigentlich habe ich genug Zeit. Doch ist es heutzutage irrsinnig chic, sich gestresst zu geben. Verzeihen Sie mir bitte die kleine Flunkerei.
** Das scharfe s (geschrieben „ß“) bekommt keinen Cent! Kein großer Bruder (kein Groß-Buchstabe), kein Geld! Selbstverständlich werde ich das Geld im besten Interesse der Buchstaben verwalten.
*** Mir ist bewusst, wenn alle Buchstaben sich ihrer Unterdrücker entledigt haben und endlich ihre Worte selbst wählen dürfen, werde ich nichts mehr zu vermelden haben. Aber auch alle anderen Dampfplauderer nicht! Ein kleiner Preis, den ich bereit bin zu zahlen, wenn dadurch eine gerechtere Gesellschaft möglich ist!