Die 80er! Die Musik, die Mode und die Jute-Tasche. Sicherlich nicht das schönste Accessoire aus dieser Zeit, aber nachhaltig. Junge Umweltschützer forderten schon damals: „Jute statt Plastik!“. Anfang der 1980er Jahre hatte das nur keinen interessiert, nicht mal jene, die heute mit dem SUV zum Bio-Markt fahren. Umweltschutz ist momentan groß in Mode und weil das so ist, bekennen sich viele namhafte Konzerne zur Umwelt und bemühen sich redlich, ihre Produkte ins grüne Licht zu rücken. Völlig altruistisch versuchen sie alles, um die Erde nachhaltig zu einem besseren Ort zu machen. Dabei handelt es sich in keiner Weise um hohles Gewäsch. Ihre Werbefilme versprechen es!
Konzerne mit viel CO2-Ausstoß erwerben nämlich Umweltzertifikate von Firmen, die nicht ganz so viel Schmutz erzeugen. Dadurch verbessern die mächtigen Konzerne ihre Ökobilanzen und glänzen so sauber wie Meister Propers Glatze. So einfach kann Umweltschutz im 21. Jahrhundert sein. Problem gelöst. Blöd nur, dass unser Planet in ein paar Jahren im Arsch ist, weil die Umwelt nicht recht wusste, was sie mit den ganzen Zertifikaten anstellen soll.

Gestern beschloss ich, nicht in die Tram zu steigen und den Rest meines Heimwegs zu Fuß zu gehen. Gestern? War das gestern? Nein, es muss vorgestern gewesen sein. Ich weiß es nicht mehr. Ist auch nicht wichtig. Jedenfalls ging ich, in Gedanken vertieft, meines Weges, als sich ein Mann vor mir bückte. Beinahe wäre ich in ihn rein gelaufen. Bin ich nämlich in Gedanken versunken, kann es zuweilen ein bisschen dauern, bis mein Hirn in Interaktion mit meinen Sinnen tritt und ich wieder angemessen auf die Außenwelt reagieren kann. Gestern, es war gestern, ganz sicher. 

Hatte der Mann etwas verloren oder warum bückte er sich? Dann sah ich es, er hob ein 1 Cent-Stück vom Boden auf und steckte es in seine Tasche. Mir schoss der Spruch meiner Oma ins Gedächtnis: „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert!“ Damals habe ich nicht kapiert, was der Spruch bedeuten soll, denn ich wusste nicht, was ein Taler ist. Heute kapiere ich es allerdings immer noch nicht, obwohl ich weiß, was ein Taler ist. Der Ausspruch ist ähnlich stumpfsinnig wie so viele Sprüche, die nur aus einem Satz bestehen. Bete und arbeite. Noch so eine Überschriften ohne Inhalt. Diese Second Hand-Weisheiten haben alle eins gemeinsam, sie sind kurz und prägen sich leicht ein. Ein paar mal gehört und vielleicht selber wiederholt, gelten sie als unumstößliche Wahrheit. 
Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert. Arbeite und bete. Lebe sparsam, sei gehorsam und arbeite und irgendeine göttliche Kraft wird schon für Gerechtigkeit sorgen; selbstverständlich erst nach dem Tod. Vorher müssen wir mit uns selber klar kommen, kein Gott bietet den noch Lebenden Soforthilfe bei Ungerechtigkeit an.

Letzte Woche war ich im Kino. Es war eines dieser alten Lichtspielhäuser, in dem die Zeit irgendwo in den späten 1980ern stehen geblieben war, was ich von der Dame hinter der Kasse nicht behaupten konnte. Ich stellte mich an und als ich an der Reihe war, fragte ich nach einem Ticket. Während sie es mir reichte, sagte sie: „Freie Platzwahl.“ Ich zahlte, ohne weiter über ihre Worte nachzudenken und ging in den Saal. Aber ..., da saßen schon anderer Gäste. Hatte die Dame an der Kasse nicht etwas von freier Platzwahl gefaselt? Wie frei kann die Platzwahl denn sein, wenn einige Gäste ihre Sitze bereits eingenommen haben und darf ich die bei Bedarf von ihren Plätzen vertreiben, um die mir versprochene freie Wahl umfänglich zu nutzen? Wenn nicht, hat die Dame an der Kasse gelogen. Gibt es überhaupt eine freie Wahl, oder handelt es sich dabei um eine dieser verflixten Paradoxien? Dafür könnte die Kassiererin wiederum nichts, denn Paradoxien tauchen einfach so auf. Sei spontan! Funktioniert in dem Moment nicht mehr, wenn Sie die Aufforderung erst mal gelesen haben. Versuchen Sie es mal!

Bild von Gerd Altmann (Pixabay)

Slogans wie der von Ikea werden mir lange im Gedächtnis bleiben. Nicht so sehr, weil er überaus gut war, sondern eher, weil er gerne und oft kopiert wurde und immer noch wird. 

Eigentlich weiß ich, Werbung geht nicht so recht ausgewogen mit der Wahrheit um. Oder glauben Sie, Herr Iglo fährt mit einem antiken Segelschiff aufs Meer, um dort Fischstäbchen verpackungsfertig mit umweltfreundlichen Hand-Keschern von der Meeresoberfläche abzufischen?
Die Grätchenfrage lautet: Wieso wirkt Werbung bei mir, obwohl ich weiß, dass sie nicht wahr sein kann? Ich denke, es ist einfacher zu glauben, als zu wissen und Werbetreibende nutzen genau das aus. Sie machen mich glauben zu wissen, was ich brauche.
„Geiz ist geil“ suggeriert, ich spare nur, wenn ich vermeintliche Angebote kaufe. Ich scheine völlig vergessen zu haben, dass ich lediglich dann spare, wenn ich nichts kaufe. Der Wahnsinn hat sich bereits in meinem Kopf breit gemacht. Ich glaube der Werbung.
Wenn Reklame allerdings von Amateuren gemacht wird, von Möchtegern-Kreativen, kann das nicht nur unglaubwürdig werden, sondern auch zu komischen Ergebnissen führen.

Wer liest denn noch die Klassiker? Ja, WER? Wird man in der Schule dazu verdonnert - Schicksal. Doch daheim, in den eigenen vier Wänden, den Argusaugen der Lehrer entkommen, wer sollte sich diese Tortur antun? Freiwillig?

Oft wird belächelt, sogar verächtlich die Augen verdreht, wenn Sänger auf die Idee kommen, schauspielern zu wollen, oder umgekehrt. Zu Recht. Viele bekannte Menschen haben nicht den nötigen Intellekt, geschweige denn das nötige Talent, ein Künstler aller oder auch nur einer Gattung zu sein.
Doch gibt es Ausnahmen. Und so eine Ausnahme ist Armin Müller-Stahl, denn sein Talent ist allumfassend. Was er angeht, ist nicht nur gut, es ist herausragend. Von seinem schauspielerischen Können mal abgesehen, hat er einen Abschluss als Geigenlehrer am Konservatorium. Er kann also nicht nur spielen - in zweifacher Hinsicht - sondern er kann auch schreiben und malen - und das nicht schlecht.