Bild: KitzD66 von pixabay   (Bald soll es so etwas angeblich nicht mehr geben. Frau Merkel versprach den Kohle-Ausstieg für 2038.)

Vor nicht allzu langer Zeit, es muss in der Epoche des Faxgeräts (Anm. d. Red.: Telefon mit Papier) gewesen sein, hatte Frau Merkel versprochen, die Emissionen in Deutschland bis 2020 um mindestens 40 Prozent gesenkt haben zu wollen. Heute im Jahr 2019, stellen Experten fest, das wird wohl nicht ganz klappen. Und das, obwohl der Blaue Engel - Verzeihung, die Umwelt-Kanzlerin so große Hoffnungen in die Vernunft der Industrie gesetzt hatte. Freiwillig sollten die Großkonzerne den Empfehlungen der Regierung folgen; mit Weitsicht, Moral und Eigenverantwortung in eine saubere Zukunft, ohne vom Staat mit lästigen Gesetzen gegängelt zu werden. Im Kapitalismus muss der Markt Grenzenlos frei sein, denn nur so kann er sich selbst regulieren. Lästige Gesetze für Konzerne sind schließlich nur was für Diktaturen. Das weiß doch jedes (zur Arbeit gezwungene) Kind. Abgesehen davon würden zu viel Regularien das Produzieren von Waren unnötig kompliziert machen. Und am Ende leidet wieder der Konsument, weil Firmen die Kosten an ihn weitergeben müssten.

Was auch jedes Kind weiß: Wer etwas kaputt macht, muss dafür Verantwortung übernehmen. Bedauerlicherweise hat Mutti bei der Erziehung der Industrie ihre Fürsorgepflicht vernachlässigt. Bliebe nur noch Papi, der sie hätte auf ein moralisch sauberes Leben vorbereitet können. Für so Nebensächlichkeiten hatte Vati keine Zeit, musste er doch Geld für die Familie ranschaffen.
Die Märkte bleiben also frei. Frei von Moral, frei von Sozialem. Doch wie passt so ein System in eine Demokratie, in der doch die Herrschaft vom Volk ausgehen sollte? Solange Konzerne ihre eigenen Rahmenbedingungen bestimmen dürfen, können die Bürger wählen, so oft und lange sie wollen, ändern werden sie so an dem System auf jeden Fall nichts. Geld ist halt mächtiger als eine Stimme, ganz egal wie frei die Wahlen auch sein mögen.

Reduktion der Schadstoffe bis 2020? Daraus wird erst mal nix. Angela Merkel hat ihren Fehler auch eingesehen und daraufhin ihr Versprechen abgeändert. Ihre neue Zusage: 55 % weniger Emission bis 2030. Dieses Mal aber wirklich, ganz ehrlich! Bleibt nur das kleine Problem mit der Jahreszahl. Auch wenn 2030 aus heutiger Sicht noch in der Zukunft liegt, das Jahr wird schlussendlich kommen. Das ist zu 55 % unvermeidbar. Versprochen!

Auch Ursula von der Laien liegt die Rettung des Planeten am Herzen. Viel mehr sogar als der Kanzlerin. Das belegte sie in ihrer EU-Bewerbungsrede zweifelsfrei mit einem weiteren zwanglosen Versprechen. Die Wirtschaft in Europa soll nach Meinung der zukünftigen EU-Sissi bis spätestens 2050 komplett klimaneutral sein, natürlich nur, wenn die Firmen freiwillig und ohne Zwang zustimmen. Einer ihrer Berater bewies da richtig viel Weitsicht, denn im Gegensatz zur Kanzlerin macht sich die Laien-Uschi nicht mit einer dummen Jahreszahl unglaubwürdig, die in greifbarer Nähe liegt. Keiner ihrer heutigen Anhänger wird sich 2050 an irgendwelche Versprechen von damals erinnern, schon gar nicht die Umwelt. Vielleicht, weil es spätestens dann kein Klima mehr gibt oder weil ein brisanteres Thema irgendeiner anderen Jugendbewegung viel wichtiger geworden ist. Aber Hauptsache Deutschland geht mit gutem Vorbild voran und zeigt dem Rest der Welt, wie Umweltschutz richtig geht, und zieht den Plastikstrohhalm aus dem Verkehr.

Und wenn die guten Versprechen nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Glücklich auf der letzten Insel, die nicht im Meer versunken ist. Spätestens zu diesem Zeitpunkt spielt Glaubwürdigkeit eh keine Rolle mehr.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Frau von der Leyen will die Wirtschaft in ganz Europa bis 2050 klimaneutral machen, Frau Merkel hingegen hatte für diesen Zeitpunkt in Deutschland erst mal eine Reduktion der Emissionen von 85 bis 90 % vorgesehen. Wissen die von der CDU eigentlich, dass Deutschland mitten in Europa liegt, oder wird die geopolitische Ausrichtung in 30 Jahren eine andere sein? Und was genau bedeutet bei CDU-Politiker das Wort „neutral“? Wenn auf der einen Seite viel Dreck produziert wird, muss auf irgendeiner anderen Seite viel eingespart werden. Viel Plus und viel Minus ergibt irgendwann null? Mathematisch mag das funktionieren, doch der Natur hilft diese Gleichung nichts. Obwohl … gibt es erst mal kein Klima mehr, ist Umwelt gleich null.

Meine Mutter pflegte immer zu sagen: „Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen.“ Was Politiker allerdings in ihrer Kindheit nicht gelernt haben, lernen sie im Erwachsenenalter nimmermehr. So brechen Politiker nicht nur ihre Versprechen, sondern am Ende unserer Tage auch den Blaue Planet. Die Zukunft wird eine traurige sein, wenn wir das Klima den Laien und ihren Beratern überlassen.
Vielleicht tue ich der Ursula Unrecht und ganz Europa wird 2050 wirklich klimaneutral sein. Wenn die dreckproduzierende Industrie komplett nach Afrika und Indien ausgelagert wurde und unsere vielen Windräder mit dem erzeugten Wind dafür sorgen, dass somit die Schadstoffe aus diesen umweltverschmutzenden Ländern nicht zu uns gelangen. Gone by(e) the wind oder so ähnlich.

Als Frau von der Leyen am Ende ihrer Bewerbungsrede die Hände vor ihrem Busen zusammenfaltete und mit sanft devotem Blick gen Boden schaute, konnte ich gar nicht anders, als ihr zu glauben. Nach ihrer Rede war mir klar, warum Frau Merkel versagt hatte: So scheinheilig schaute sie nie drein. 

Die Versprechen der Politiker für ein besseres Klima haben mich inspiriert. Ab sofort werde ich alles Erdenkliche tun, um meinen Schadstoff-Ausstoß zu reduzieren. Versprochen. Wie ich das umsetze, können Sie hier nachlesen. Und weil das nicht ausreicht, werde ich in Zukunft die Grünen wählen. Ihre Versprechen, grüne Politik zu betreiben, liegen ja in ihrer Natur, zumindest aber deutet ihr Name darauf hin.

Ich weiß, Kritik an einzelnen Personen ist leicht. Ich weiß auch, auf Dauer ist das zu wenig. Wir müssen anfangen, das System zu kritisieren, denn Kapitalismus und Umweltschutz sind nicht vereinbar. Da stehen sich unendlicher Wachstum und Knappheit entgegen. In der Natur ist nichts endlos, nicht mal die hohlen Versprechen der Politiker.