Bild: KitzD66 von pixabay   (Bald soll es so etwas angeblich nicht mehr geben. Frau Merkel versprach den Kohle-Ausstieg für 2038.)

Vor nicht allzulanger Zeit, es muss in der Epoche des Fax (Anm. d. Red.: Telefon mit Papier) gewesen sein, hatte Frau Merkel versprochen, die Emissionen in Deutschland bis 2020 um mindestens 40 Prozent gesenkt haben zu wollen. Das wird wohl nicht ganz klappen. Und das, obwohl der Umwelt-Engel, Verzeihen, die Umwelt-Kanzlerin so große Hoffnungen in die Industrie gesetzt hatte. Freiwillig sollten die Großkonzerne den Vorgaben der Regierung folgen; mit Vernunft und Eigenverantwortung in die Zukunft. Frau Merkel wollte die Industrie nicht bevormunden mit lästigen Gesetzen zum Schutz unseres Planeten. Ungerechte Gesetze sind eh nur was für Diktaturen und ein Markt reguliert sich immer noch am besten selbst, wenn er frei ist. Das weiß doch jedes Kind, denn Gesetze machen das Produzieren von Waren unnötig kompliziert und am Ende muss wieder der Konsumenten leiden, weil die Kosten an den Kunden weitergeben werden.

Was auch jedes Kind weiß: Wer etwas kaputt macht, muss dafür Verantwortung übernehmen, so zumindest der Konsens der meisten Pädagogen. Aber wer weißt die Industrie darauf hin? Die Märkte müssen frei blieben, frei von Moral, frei von Sozialem. Doch wie passt die ungezügelte Marktwirtschaft in ein demokratisches System? Und warum scheint es, dass die Herrschaft des Volkes von denen ausgeht, die Geld haben, und nicht von jenen Menschen, denen nichts anderes übrig bleibt, als wählen zu gehen?

Reduktion der Schadstoffe bis 2020? Daraus wird nix. Angela Merkel hat ihren Fehler eingesehen und ihr Versprechen abgeändert. Ihre neue Zusage: 55 % weniger Emission bis 2030. Und dieses Mal meint Frau Merkel das wirklich ehrlich! Sie hat es hoch und heilig versprochen. Bleibt nur das kleine Problem mit der Jahreszahl. Auch wenn diese aus heutiger Sicht weit in der Zukunft liegt, 2030 wird irgendwann kommen. Das ist unvermeidbar. Versprochen!

Auch Ursula von der Laien hat kapiert, dass man mit Umweltthemen beim Wähler punkten kann und deswegen hat sie in ihrer Bewerbungsrede zu ersten EU-Sissi ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass sie es mit der Rettung des Planeten viel ernster meint als Frau Merkel. Die zukünftige EU-Sissi will die komplette Klimaneutralität bis spätestens 2050 erreichen. Einer ihrer Berater hat es richtig drauf gehabt, denn von der Leyens Versprechen ist viel geschickter formuliert. Ein Jahr für die Klimaneutralität zu wählen, das so weit in der Zukunft liegt, ist schlichtweg genial. Schließlich will sich die Laien-Uschi nicht wegen einer dummen Jahreszahl unglaubwürdig machen. Abgesehen davon wird sich 2050 keiner ihrer heutigen Anhänger noch an irgendwelche Versprechen von gestern erinnern, schon gar nicht die Umwelt. Wer viel verspricht, vergisst auch viel, aber vorerst müssen Versprechen ausreichen, Gesetze folgen frühestens 2090, wenn die Grünen an der Macht sind und endlich grüne Politik betreiben.

Vielleicht hat die von der Uschi Glück und das Thema Klimaschutz interessiert bereits in ein paar Jahren keinen mehr. Vielleicht weil es keine Umwelt mehr gibt oder weil ein anderes Thema irgendeiner anderen Jugendbewegung viel wichtiger geworden ist. Aber Hauptsache Deutschland geht mit gutem Vorbild voran und zeigt dem Rest der Welt, wie Umweltschutz richtig geht und zieht den Plastikstrohhalm aus dem Verkehr.

Und wenn die guten Versprechen 2050 nicht gestorben sind, dann leben sie noch glücklich auf der letzten Insel, die noch nicht im Meer versunken ist. Spätestens zu diesem Zeitpunkt spielt Glaubwürdigkeit eh keine Rolle mehr.

Ach ja, noch was: Frau von der Leyen will ganz Europa bis 2050 komplett klimaneutral machen, Frau Merkel hingegen hatte für diesen Zeitpunkt in Deutschland erst mal eine Reduktion der Emissionen von 85 bis 90 % vorgegeben. Wissen die von der CDU eigentlich, dass Deutschland mitten in Europa liegt, oder wird die Geographie in etwa 30 Jahren eine andere sein? Und was genau bedeutet bei CDU-Politiker das Wort „neutral“? Gibt es erst mal kein Klima mehr, ist nämlich ziemlich viel neutral.

Meine Mutter pflegte immer zu sagen: „Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen.“ Was Politiker allerdings in ihrer Kindheit nicht gelernt haben, lernen sie im Erwachsenenalter nimmermehr. Gebrochen werden so nicht nur Versprechen, sondern unser Planet. Die Zukunft unserer Umwelt wird eine traurige sein, wenn wir das Klima den Laien und ihren Beratern überlassen. Vielleicht tue ich der Ursula Unrecht und ganz Europa wird 2050 wirklich klimaneutral sein, weil die ganze dreckproduzierende Industrie komplett nach Afrika und Indien ausgelagert wurde und der Wind, den unserer vielen Windräder dann erzeugen werden, gen Süden bläst.

Stellen Sie sich jetzt noch vor, es gäbe ein Bild von der von der Leyen, auf dem sie die Hände zum Gebet zusammengefaltet vor der Brust hält und mit sanft devotem Blick gen Boden schaut, auf dem sie wandelt. Dann stünde ihrer Heiligsprechung zur Umweltheiligen nichts mehr im Weg, denn keine der vielen Mütter Gottes auf all den Bildern der letzten 500 Jahre hat es geschafft auch nur im Entferntesten so jungfräulich dreinschauen.

Bei so viel Weitsicht kann ich gar nicht anders, als mich auch aktiv am Umweltschutz zu beteiligen. Wie ich das mache, lesen Sie bitte hier.

Kritik an einzelnen Personen ist leicht, doch auf Dauer ist das zu wenig. Wir müssen anfangen, das System zu kritisieren. Der Kapitalismus und der Umweltschutz sind nicht vereinbar. Da stehen sich ein System des unendlichen Wachstums und ein System der Knappheit entgegen. In der Natur ist nichts endlos, nicht mal die hohlen Versprechen der Politiker.